Welche Konfliktlösungsstrategien gibt es?


Konflikte begegnen uns überall: im Privatleben, im Beruf und im Alltag. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit diesen Konfliktsituationen umzugehen und jeder Konflikttyp nutzt ein unterschiedlich breites Repertoire an Konfliktlösungsstrategien. Diese Strategien eignen sich Menschen unbewusst im Laufe ihres Lebens durch Erfahrung, Erziehung oder die Prägung durch Vorbilder an. In einer Konfliktsituation greifen Menschen dann auf ihre gewohnten Strategien zurück, um den Konflikt zu lösen oder sich aus dem Konflikt zurück zuzuziehen.

 

Der Österreicher Dr. Gerhard Schwarz beschäftigt sich seit Jahren mit den Themen Gruppendynamik und Konfliktintervention und hat ihn diesem Zusammenhang ein Grundmuster der Konfliktlösung in sechs Stufen entwickelt. Hinter diesen Stufen stecken unterschiedliche Konfliktlösungsstrategien, die Menschen (meist unbewusst) nutzen, um ihre Konflikte zu lösen.  Seine Stufen beinhalten einen Grad der Höher- oder Weiterentwicklung. Je höher sie in den Konfliktlösungsstufen steigen, desto höher ist der Grad der Lösungsqualität.       

 

Die erste Stufe ist die Flucht. Sie ist die ursprünglichste Form von Konfliktlösungsstrategien, d.h. dass ein Mensch bei einer Bedrohungen instinktiv weg läuft. Heutzutage zeigt sich die Flucht auch in einer Vermeidung von Konflikten, dem Leugnen von Konflikten oder dem sich Zurückziehen sobald es etwas kritisch wird. Damit ist der Konflikt meist nicht gelöst, sondern nur verdrängt oder aufgeschoben und der Lernerfolg bleibt aus. 

 

Die zweite Stufe ist der Angriff bzw. die Vernichtung. Wenn sich ein Mensch stark genug fühlt (damals durch das Aufkommen von Waffen), muss er vor der Bedrohung nicht mehr davonlaufen, sondern kann sie auch bekämpfen. Heute entspricht das dem Recht des Stärkeren, der die Lösung in einem Konflikt nur darin sieht, dass es einen Sieger und damit zwangsläufig einen Verlierer geben muss. Auch hier ist der Konflikt nur scheinbar gelöst, weil auch die Ressourcen des Verlierers (z.B. durch Kündigung) damit verloren gehen.  

 

Die dritte Stufe ist die Unterordnung. Gesellschaften und Systeme beruhen alle auf einer bestimmten Ordnung, die darin besteht, dass ihre Mitglieder die bestehenden Regeln (z.B. Gesetze) im System akzeptieren und sich ihnen unterordnen. Als Konfliktlösungsstrategien werden sich die Konfliktparteien in einem Streit einer höheren Ordnung (z.B. Vorgesetzte) unterordnen (müssen). Auch hier kann es passieren, dass der Untergeordnete auf seine Chance wartet und damit langfristig gesehen wieder irgendwann ein neuer Konflikt ensteht.

 

Die vierte Stufe ist die Delegation. Zwei Konfliktparteien können sich nicht einigen und delegieren die Entscheidung über den Ausgang eines Konfliktes an eine höhere Instanz (z.B. Richter). Das Gefühl von Gewinner und Verlierer verschwindet und die Objektivität bei dieser Konfliktlösungsstrategie steigt. Allerdings geben die Konfliktparteien auch die Verantwortung und die Entwicklung eigenständiger Lösungen an Dritte ab. 

 

Die fünfte Stufe ist der Kompromiss. Er besteht darin, dass beide Konfliktparteien einen Schritt auf den anderen zugehen und damit ein Zugeständnis von ihrer Seite machen. Die Lösung liegt darin, dass jeder einen Teil seiner Vorstellungen umsetzen kann. Allerdings schwingt auch hier immer noch das Gefühl mit, dass es weiterhin einige Punkte gibt, die gar nicht ungelöst oder nicht zufriedenstellend gelöst wurden. 

 

Die sechste Stufe ist der Konsens. Die Lösung liegt hier außerhalb des bisherigen Denkrahmens. Wenn im Konflikt deutlich wird, was die Konfliktparteien eigentlich wollen, kann der Konfliktgegenstand zerlegt und damit ganz neu aufgeteilt werden, so dass beide Seiten eine hundertprozentige Zufriedenheit erreichen können. Ein Beispiel: Wenn bei einem Streit um eine Orange auf einmal deutlich wird, dass einer nur den Saft und der andere nur die Schale will, liegt die Konsenslösung auf der Hand.

 

Je größer Ihr Repertoire an Konfliktlösungsstrategien ist, desto flexibler und vielseitiger können Sie in Zukunft in unterschiedlichen Konfliktsituationen reagieren.